Hi.

Welcome to my blog. I document my adventures in travel, style, and food. Hope you have a nice stay!

Weingüter in Portugal – Zu Gast bei Herdade do Mouchão

Weingüter in Portugal – Zu Gast bei Herdade do Mouchão

Text & Fotos: Jan-Peter Westermann


Zerquetscht liegt sie in seiner Hand, schwarzroter Saft zieht sich an den Lebensadern seiner Handinnenfläche hoch und symbolisiert so auf schöne Weise die Symbiose aus Mensch und dem Produkt der Natur, welches ihm Ernährungsgrundlage ist. „Alicante Bouschet“, heißt die Traube, um die es sich hier dreht, halbdaumengroße Früchte mit kräftiger blauschwarzer Schale und einem dunkel-roten Fruchtfleisch, durch das sie sich von den meisten anderen Rebsorten unterscheidet, aus denen Rotwein hergestellt wird.

Die Hand gehört Ian Richardson: Ein kerniger Typ im offenen Jeanshemd, Anfang 50, sonnengegerbte Haut. Mit den verschmitzt lächelnden Augen eines Sean Connery ist er Eigentümer und Önologe des Weingutes „ Herdade do Mouchao“ im Alentejo, Portugals aufstrebender Weinregion.

Bedächtig probiert Iain die Trauben in den verschiedenen Abschnitten seiner dem Haupthaus nahegelegenen Toplage, um Rückschlüsse auf ihren Reifegrad und den damit optimalen Erntezeitpunkt zu erlangen. Patrick, meinen Assistenten, und mich lässt er auch probieren, doch außer, dass wir die Schale als relativ hart und das von Kernen durchzogene Fruchtfleisch als fruchtig säuerlich empfinden, sind wir überrascht, als er uns offenbart, dass er die Trauben noch vier Wochen hängen lassen will. Denn meiner laienhaften Vorstellung nach sollte im Alentejo mit seinen ca. 3000 Sonnenstunden und bei Temperaturen im Sommer um die 40 Grad der Erntezeitpunkt früher im Jahr liegen, als es bei uns der Fall ist.

Doch jetzt in der ersten September-Woche macht das Weingut einen noch eher verschlafenen Eindruck auf uns. Alles sieht nach ehrwürdiger Tradition aus in der 1901 erbauten „Adega“. Ian führt uns durch das mit mehreren 9000-Liter-Holzfässern bestückte Lager, wir gehen vorbei an zwei Vergärungsbecken, den sogenannten Lagares, in denen eine Charge Roter Trauben auf das tägliche Fußstapfen seiner Mitarbeiter wartet. Dann zeigt er uns die alte Traubenpresse aus Holz, erläutert, warum er auchheute noch wegen der Gerbstoffe der Schalen mit weniger bar als andere Weingüter die Maische auspresst und wir verstehen: „ Gut Ding hat Weile“ – das gilt wohl auch beim Weinmachen!



Ians Vorfahren, die Richardsons kamen schon im frühen 1900 Jahrhundert aus England hierher und suchten in Zusammenarbeit mit französischen Weinbauexperten nach einer Rebsorte, welche den klimatischen Bedingungen des Alentejos gewachsen ist.

Alicante Bouschet war die Antwort und die eleganten Rotweine, die dieser Traube entspringen und inzwischen auf 32 der 38 Hektar großen Weinfläche ausgebaut werden, haben Mouchao berühmt gemacht. Kein Weingut im Alentejo verfügt über derart alte und noch gut tragende Rebstöcke.

Wir springen in Ians Landrover. Die Räder des Wagens durchpflügen die unbefestigten Wege hin zu den Feldern, vorbei an Korkeichen und Olivenbäumen. Zwei weitere Ertragsquellen der Quinta und Ian erklärt uns, dass es ohne die Korkeichen das Alentejo wohl nicht mehr gäbe und Portugal der Wüste preisgegeben wäre. Eine jahrhundertealte Zusammenarbeit aus Mensch und Natur am Beispiel eines Baumes: Der Baum hält den Grundwasserspiegel, spendet Schatten, ernährt mit seinen Eicheln die berühmten Porcos Pretos (Schwarzen Schweine) und seine Rinde ist ein hervorragender Baustoff, der weit über die Weinkorkenverarbeitung hinaus von Bedeutung ist. Als 1974 die sogenannte „Nelkenrevolution“ die rechtsgerichtete Diktatur unter Marcelo Caetano, dem Salazar-Nachfolger, wegfegte, mussten auch die Richardsons ihr Weingut verlassen, welches an die Landbevölkerung verteilt wurde. Als sie zwei Jahre später zurückkehrten, war das gesamte Flaschenlager geplündert, die großen Eichenfässer eingetrocknet, die Rebstöcke verwildert und viele der Korkeichen so falsch beschnitten, dass sie gefällt werden mussten. Ein fast kompletter Neuanfang für die Familie!

Ich schaue rüber zu Ian hinter seinem Lenkrad und selbst heute noch, über 40 Jahre danach, kann ich an den Runzeln auf seiner Stirn in der untergehenden Abendsonne erkennen, wie großartig der 1959 „Herdade do Mouchao“ in der Magnumflasche aus dem Keller seines Vaters gewesen sein muss, den er uns gerade beschreibt. 2001 hatte er in einem Lissabonner Restaurant per Zufall an einer gut gelagerten Flasche von den damals über 300 verloren gegangenen Weinen von diesem '59ziger Stoff teilhaben dürfen.

Wie es scheint ein unvergessliches Erlebnis, welches den Verlust zumindest ein wenig kompensieren konnte!


Herdade do Mouchão

7470-153 Casa Branca
Portugal

Telefon: +351 268 539 228
Mail: mouchao@mouchao.pt

 

There is a bee on the roof

There is a bee on the roof

.... In Season: Gooseberry  .. IN SEASON: Stachelbeere ....

.... In Season: Gooseberry .. IN SEASON: Stachelbeere ....

EN
D