The Patisserie Project by Diplomático
Fotos: Anna Brauns
Text: Natalie Tillmann
Die Sonne strahlt durch die bodentiefen Fenster der Eventlocation KULTUR&GUT, ein großer, modern eingerichteter Raum mit zwei großen Tischen, auf denen kleine Farbtöpfchen und Pinsel bereit stehen. Ob man erst eine Zeichnung von der Praline macht, frage ich mich, aber ich sehe gar kein Papier … Weiter komme ich mit dem Gedanken nicht, denn wir werden von Jonathan und Gresa zu unserem Workshop begrüßt.
Langsam treffen auch die anderen Gäste ein, und eine kurze Einführung beginnt: Benedikt von Diplomático erklärt, dass der venezolanische Rum in Eichenfässern reift und dadurch seinen feinherben Charakter erhält. In Deutschland war er bisher als Botucal bekannt, nun wurde der Name international vereinheitlicht – neuer Name, gleicher Inhalt. Das Aroma des Rums wird mit Noten von Orangenschalen, Toffee und Lakritz beschrieben. Perfekt dazu passt dunkle Schokolade.
Genau dass ist das Stichwort für Marie, sie ist Konditorin und Gründerin von MUYA in Berlin. Sie zeigt uns, wie man Pralinen selbst herstellt. Begleitet mit abgestimmten Drinks von Bartender Tim Grapperhaus aus dem The Local in Hamburg.
Nach der Vorstellungsrunde bekommen wir ein kleines Glas Rum, am Rand steckt eine kleine, runde Schokolade. „Keine Sorge, es geht nur ums Riechen und Verkosten“, beruhigt Gresa – zum Glück. Ich schwenke das Glas: zuerst der herbe Rum, dann die süße Schokolade, schließlich der weiche Kakao. Eine überraschend harmonische und leckere Kombination – gerade für jemanden, der Rum sonst nicht pur trinken würde.
Um einen Einblick von Maries Pralinen-Kunst zu bekommen, dürfen wir zuerst einmal probieren: glänzende, farbenfrohe Hügel. Sie sehen aus wie wahre Kunstwerke, gefüllt mit Orangenmarmelade. Dazu serviert Tim einen Fluffy Garibaldi mit Orange & Grapefruit – für mich schmeckt er nach Sommer und Freibad.
Als nächstes bekommt jeder von uns eine Schürze gereicht und wir verteilen uns an den Tischen. Vor uns steht eine Kunststoffform, die aussieht wie eine sehr tiefe Farbpalette. Daneben „Farbtöpfe“ – gefärbte, warme Kakaobutter, diese wird jetzt mit dem Pinsel wild betupft oder gesprenkelt. Meine Sprenkel landen überall, nur selten in den Mulden. Aber genau das macht den Spaß aus: Es gibt kein richtig oder falsch. Zum Schluss tragen wir mit der Airbrush eine weitere Farbschicht auf – gearbeitet wird von außen nach innen.
Anschließend werden die Formen kühl gestellt, damit die gefärbte Kakaobutter fest wird. Die kurze Wartezeit überbrückt Tim mit dem nächsten Drink. Der Highball Coffee & Banane ist etwas herber, das süße Bananenaroma kann man auch deutlich herausschmecken.
Da die Kakaobutter alleine nicht stabil genug ist, um die Pralinenfüllungen zu halten, benötigt es einen dünnen Schokomantel. Jetzt muss der Profi ans Werk! Die dunkle Schokolade muss nun zügig in die Formen gegossen werden. Es ist wichtig, schnell und sauber zu arbeiten. Damit keine Luftblasen entstehen, klopft Marie die Formen einmal fest auf und streicht die übrige Schokolade ab.
Nach dem Aushärten sehen die Pralinen wie kleine Fingerhüte aus. Nun geht es weiter mit der Füllung. Marie hat dazu verschiedene Geschmacksrichtungen in Spritzbeuteln vorbereitet: Karamell, Orangen-Marmelade, Orangen-Ganache, Vanille- und Schokocreme. Wir können auch kleine Kakao-Nibs oder Lakritz-Crunch mit in die Förmchen streuen. Alles darf probiert und kombiniert werden - denn es wird garantiert lecker.
Annas Drink-Highlight des Tages: der Colada Sour mit Ananas & Kokos. Besonders für Lakritz-Fans ein Genuss – und mit Sternanis auf dem feinen Schaum, auch optisch ein Hingucker.
Abschließend wird der Boden der Praline gegossen und mit einem großen Spachtel abgezogen. Solange die Pralinen aushärten, wird uns der letzte Drink gereicht, ein Gimlet Milky Oolong & Kakao: Er schmeckt elegant und ein bisschen floral - welch schöner Abschluss.
Was für ein schöner Workshop! Das kreative Austoben beim Gestalten der Pralinen hat uns richtig viel Spaß gemacht. Und mit der verschiedenen Drinks konnte ich, obwohl ich sonst nur selten Alkohol trinke, ganz neue Geschmackswelten entdecken.
Das Schönste ist natürlich, wenn man nach einem Workshop was mit nach Hause nehmen kann, also abgesehen von dem neu angeeignetem Wissen. So können wir unsere selbst gemachten Pralinen verschenken oder selbst genießen. Und ich finde, die können sich sehen lassen!
Vielen Dank an Marie und Tim! Sie haben uns an diesem Nachmittag beide einen Einblick in ihr Handwerk gegeben und uns dabei ein fantastisches Food-Drink-Pairing nähergebracht. Eine tolle Kombination, die Beiden!

