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Dinner im Weinberg

Fotos & Text: Nikolai Buroh

Dinner im Weinberg – Ein Abend am Fuße des Harzes

Meine Freunde vom Hotel Rathaus in Wildemann beziehen ihr Gemüse seit Jahren vom Thuds-Hof in Herrhausen, gerade mal 20 Minuten entfernt. Für mich als Gast ist das mehr als eine Randnotiz: Geschichten machen Essen besser. Wir alle kennen den Wein, der im Urlaub irgendwie besser schmeckte.

Meine Geschichte: Ich renoviere gerade ein Haus im Harz. Als mir Mathias Geinitz, Chef des Hotel Rathaus, von einem gemeinsamen Event mit dem Thuds-Hof im Juni erzählte, hatte ich einen guten Grund, länger als nur übers Wochenende zu bleiben.

„Ein Dinner im Weinberg" – das reichte als Argument, die Kamera einzupacken.

Schon beim Einbiegen in den Feldweg war klar: gute Entscheidung. Inmitten grüner Felder, am Fuße des Harzes, stand eine fein gedeckte Tafel am Rand eines Weinstocks. Henrik vom Thuds-Hof, Landwirt, Agrarwissenschaftler und Weinbauer mit echter Start-up-Energie, erzählte mit Leidenschaft von seinen Rebsorten.

Vor fünf Jahren pflanzten sie, als Weinhof Nettesprung, die ersten Trauben, 2024 füllten sie die ersten Flaschen. Keine Konkurrenz zum Riesling – das ist hier gar nicht das Ziel. Die Sorten Solaris und Muscaris sind pilzresistent, brauchen weniger Pflanzenschutzmittel und bauen viel natürliche Süße auf. Im Norden Deutschlands und Skandinavien längst beliebt, im Rest der Weinwelt noch immer unterschätzt.

Ich hatte Säure erwartet und wurde angenehm überrascht. Der Einstieg war ein Pét Nat aus Muscaris mit weicher Perle, breitem Aromaspektrum und überraschend viel Volumen. Henrik hatte mir angekündigt, was ich schmecken würde. Ich glaubte es sofort.

Fotografisch war der Abend ein Geschenk. Wein im geprägten Nettsprung-Glas, Flaschen noch ohne Etikett, weil sie ausgetrunken sind, bevor die Druckerei liefert, dazu 30 in der Abendsonne angerichtete Teller und eine Aussicht so postkartenwürdig, dass man tatsächlich wieder anfängt, welche zu verschicken.

Als Vorspeise servierte Sven eine Eisbergsalat-Mousse mit leichtem Erbsengeschmack auf Forellen-Ceviche. Wie er so etwas ohne Abschmecken hinbekommt, bleibt sein Geheimnis. Beim Hauptgang folgte eine Consommé vom Weiderind mit Ravioli, Gemüse und einer panierten Praline von Rinderschulter. Die Brühe wurde erst am Tisch eingegossen, damit alle Gäste möglichst gleichzeitig serviert werden konnten. Dass dieser klassische Servicemoment vor allem praktische Gründe hat, hatte ich so noch nie bedacht.

Ein Abend, der viele Wissenslücken geschlossen hat, von der man vorher gar nicht wusste, dass sie da war. Die beste Art.



Wir sind so frei - mit Cornelia Poletto

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